Website erstellen lassen: Agentur, Freelancer oder Baukasten? Der ehrliche Vergleich
Du willst eine neue Website. Jetzt stellt sich die Frage: selbst bauen, eine Agentur beauftragen oder mit einem Freelancer arbeiten? Diese Entscheidung betrifft nicht nur das Budget, sondern auch Qualität, Zeitaufwand und wie viel Kontrolle du am Ende hast.
Ich beantworte diese Frage täglich – als Freelancer, der auch weiß, wann ein Baukastensystem sinnvoller ist und wann eine Agentur die richtige Wahl wäre. Dieser Vergleich ist bewusst ehrlich.
Die drei Optionen im Überblick
1. Baukastensystem (Wix, Squarespace, Jimdo, Webflow)
Baukastensysteme ermöglichen es dir, eine Website ohne Programmierkenntnisse selbst zu erstellen. Du ziehst Elemente per Drag-and-Drop zusammen, wählst ein Template und bist innerhalb von Stunden online.
Vorteile:
- Niedrige Einstiegskosten (oft 10–30 €/Monat)
- Keine technischen Kenntnisse erforderlich
- Schnell online – oft innerhalb eines Tages
- Hosting, SSL und Updates inklusive
- Gute Templates für Standard-Anforderungen
Nachteile:
- Begrenzte individuelle Gestaltungsmöglichkeiten
- Schlechtere Performance im Vergleich zu custom Websites
- Keine volle Kontrolle über den Code
- Vendor Lock-in: Migration zu einem anderen System ist aufwändig
- Für komplexe Anforderungen schnell an Grenzen
Für wen geeignet: Selbstständige, die eine einfache Visitenkarten-Website brauchen; kleine Projekte mit unter 10 Seiten; sehr begrenztes Budget.
2. Webdesign-Agentur
Eine Agentur bringt ein ganzes Team mit: Art Director, Designer, Entwickler, Projektmanager, manchmal auch SEO-Spezialisten. Klingt gut – hat aber auch Konsequenzen.
Vorteile:
- Vollständiges Team mit spezialisierten Rollen
- Strukturierter Prozess mit Vertragsrahmen
- Skalierbar für große Projekte
- Oft mehr Kapazität bei engen Deadlines
Nachteile:
- Hohe Kosten (5.000 – 50.000 € und mehr für mittelgroße Projekte)
- Kommunikation läuft über Account-Manager – nicht über die Person, die baut
- Lange Vorlaufzeiten (Briefing → Konzept → Umsetzung → Review-Zyklen)
- Agentur-Overhead: Ein Teil deines Budgets fließt nicht ins Projekt
- Ergebnis entspricht oft nicht der ursprünglichen Idee – weil zu viele Menschen dazwischen stehen
Für wen geeignet: Große Unternehmen mit komplexen Anforderungen, mehrsprachige Plattformen, Enterprise-Projekte mit hohem Budget.
3. Freelancer
Ein erfahrener Freelancer bündelt Strategie, Design und Entwicklung in einer Person. Du arbeitest direkt mit dem Menschen, der deinen Code schreibt.
Vorteile:
- Direkter Kontakt zum Umsetzer – keine Vermittler
- Besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als Agenturen
- Flexibel und schnell anpassbar
- Persönliche Verantwortung für das Ergebnis
- Maßgeschneiderte Lösungen statt Templating
Nachteile:
- Kapazität ist begrenzt – ein Freelancer kann nur so viel
- Qualität variiert stark – der richtige Freelancer muss gefunden werden
- Kein Team für sehr große Projekte
- Ausfall durch Krankheit oder andere Projekte möglich
Für wen geeignet: KMU, Selbstständige und Startups, die eine individuelle, professionelle Website ohne Agentur-Overhead wollen.
Direkter Vergleich: Was kostet was?
| Kriterium | Baukasten | Agentur | Freelancer |
|---|---|---|---|
| Einmalkosten | 0 – 500 € | 5.000 – 50.000 € | 1.500 – 15.000 € |
| Laufende Kosten | 10 – 50 €/Monat | Wartungsvertrag variabel | Hosting + optionale Wartung |
| Individuelle Gestaltung | Begrenzt | Sehr hoch | Hoch |
| Performance | Mittel | Hoch (wenn gut gemacht) | Sehr hoch |
| Kommunikation | Support-Ticket | Über Account-Manager | Direkt |
| SEO-Fähigkeit | Basisfunktionen | Hoch | Hoch |
| Zeitaufwand für dich | Hoch (selbst bauen) | Mittel (viele Abstimmungen) | Gering (kurze Wege) |
Meine Empfehlung: Wann was wählen?
Wähle ein Baukastensystem wenn: Du eine einfache Informationsseite brauchst, das Budget unter 500 € liegt, du keine technischen Anforderungen hast und bereit bist, Zeit selbst zu investieren.
Wähle eine Agentur wenn: Du ein großes Enterprise-Projekt hast, mehrere Teams koordiniert werden müssen, ein sehr hohes Budget vorhanden ist und die Komplexität ein ganzes Spezialistenteam rechtfertigt.
Wähle einen Freelancer wenn: Du eine individuelle, professionelle Website willst, direkten Ansprechpartner bevorzugst, das Budget zwischen 2.000 und 15.000 € liegt und du schnell Ergebnisse brauchst.
In meiner Erfahrung sind es häufig KMU und Selbstständige, die den meisten Mehrwert aus der Freelancer-Option ziehen. Die direkte Kommunikation, die persönliche Verantwortung und die fehlende Agentur-Marge machen den Unterschied – besonders bei Projekten, bei denen die Details zählen.
Häufige Fragen
Kann ich meine Baukasten-Website später migrieren?
Ja, aber es ist aufwändig. Baukasten-Systeme sind oft proprietär – Inhalte lassen sich exportieren, Design und Code aber nicht. Eine spätere Migration bedeutet faktisch einen Neustart. Wenn du langfristig wachsen willst, plane das von Anfang an ein.
Wie finde ich einen guten Freelancer?
Portfolio und Referenzen prüfen. Ein Erstgespräch führen – wie kommuniziert die Person? Ist ein Vertrag vorhanden? Versteht der Freelancer dein Business oder bietet er nur technische Dienstleistungen an? Ein guter Freelancer stellt mehr Fragen, als er antwortet.
Sind Agenturen automatisch besser als Freelancer?
Nein. Größe ist kein Qualitätsmerkmal. Viele Ein-Mann-Studios liefern bessere Ergebnisse als große Agenturen – weil der Erfahrungsträger persönlich involviert ist und nicht delegiert.
Was kostet eine gute Business-Website beim Freelancer?
Eine solide, individuelle Business-Website (5–10 Seiten, SEO-optimiert, mobil, schnell) kostet bei einem erfahrenen Freelancer in Deutschland typischerweise 2.500 – 8.000 €. Alles darunter ist entweder ein Template oder es werden Abstriche gemacht.
- Baukastensysteme sind für einfache Projekte in Ordnung, aber keine Wachstumslösung
- Agenturen bieten Kapazität, aber auch hohe Kosten und Kommunikations-Overhead
- Freelancer bieten bestes Preis-Leistungs-Verhältnis für individuelle Projekte
- Entscheidend ist nicht die Option selbst, sondern die Qualität der Umsetzung
- Ein Erstgespräch kostet nichts – und sagt mehr als jedes Portfolio